Dieser Artikel wurde in der "Pinwand" im Juni 2006 veröffentlicht.
Was kostet ein Quilt
Was kann, darf, soll oder muss ein Quilt kosten?
Hat sich die Frage, was ein Quilt eigentlich wert ist, nicht schon jede Quilterin einmal gestellt?
Spätestens wenn Freunde oder Bekannte einen unserer Quilts bewundern und dann gar fragen: „Würdest du den auch verkaufen?“ ist es, wenn wir ehrlich sind, soweit.
Erst freut man sich riesig, dass es jemanden gibt, der bereit wäre für einen Quilt etwas zu bezahlen, aber dann beginnt das große Grübeln:
Was kann, was darf, was soll oder was muss man dafür verlangen!
Man beginnt zu rechnen: Der Materialwert, die Arbeitszeit, die Idee und der künstlerische Wert.
Und dann das Wichtigste: In jedem unserer Quilts steckt ja ein Teil von einem selbst, man identifiziert sich ja mit seinem Werk.
Irgendwann beginnt man dann mit anderen Quilterinnen über das Thema zu diskutieren. Bloß das hilft auch nicht so wirklich weiter.
Die Antworten sind fast so vielfältig wie Quiltmuster.
Die Meinungen reichen von: Man kann ja nicht einmal den Materialwert verrechnen, weil das den Leuten schon zu teuer ist, bis zu Phantasiepreisen, die einem das Gefühl vermitteln, dass sie mit dem Quilt selbst eigentlich nichts mehr zu tun haben.
Was tut man heutzutage wenn man zu einem Thema möglichst viele Antworten haben möchte?
Man setzt sich zum PC und fragt den Google. (Und vergisst Zeit und Raum, denn um sich wirklich umfassend zu informieren, muss man sich doch wohl möglichst viele Quiltseiten ansehen.)
Auf den amerikanischen Seiten kann man viele Quilts mit Preisangaben finden, während die Europäer, was das betrifft, eher geizig sind. Auf europäischen Seiten findet man üblicherweise, mit wenigen Ausnahmen, die kurze Mitteilung, dass es Preise nur auf Anfrage gibt.
Die lange Suche auf Internetseiten reizt zu einem grundsätzlichen, einfachen Vergleich.
Was kostet ein Quadratmeter Quilt?
Bei einem kleinen Test stellt sich heraus, dass ein amerikanischer Quilt im Durchschnitt pro m² 2.500 Euro kostet, während ein europäischer Quilt auf etwa 500 Euro kommt. Man kann aber auch europäische Quilts um bis zu 1.000 Euro finden.
Das ist sicher eine etwas zu simple Rechnung aber so für den Anfang vielleicht durchaus ein Anhaltspunkt.
Preisvergleiche bei Quilts sind natürlich schwierig. Den Preis bestimmen – grundsätzlich – sowohl das Material als auch die aufgewendete Arbeitzeit. Dann gibt es da natürlich auch noch die Gestaltung des Quilts. Es macht sicher einen Unterschied ob man einen Quilt nach klassischem Muster näht oder ob man dazu eigene Entwürfe – die dann auch geistiges Eigentum sind – erarbeitet. Seide ist natürlich teurer als Baumwolle.
Alte Stoffe muss man wahrscheinlich anders als Neue berechnen. Wenn man einen Quilt aus den Resten eines anderen näht kann man sicher ruhig den Neupreis ansetzen – der Wert des Stoffes vermindert sich ja nicht, nur weil man Teile davon schon für einen anderen Quilt genommen hat. Und hätte man die Reste nicht, müsste man neuen Stoff kaufen.
Was die Arbeitszeit betrifft verschätzt man sich sehr leicht. Man setzt sich nur kurz einmal hin um ein paar Stiche zu nähen…..
Am besten legt man sich eine Tabelle für alle Notwendigen Berechnungsgrundlagen an.
Stoffmenge: Bei machen Quilts lässt sich der Stoffverbrauch ganz genau feststellen.. Ansonsten rechnet man je nach der Menge der Nahtzugaben die Quiltgröße 2 – 4 mal.
Bei Freischneide- oder Verschnittechniken und Landschaftsquilts ist der Stoffbedarf oft um vieles größer als bei streng geometrischen Mustern man sollte auch hier sehr großzügig berechnen.
Sonstiger Materialverbrauch: An Vlies und Rückseitenstoff denkt man ja noch, aber da gibt es auch noch Nähseide, Heftgarn oder Spray, Quiltgarn und anderes zum Verzieren des Quilts. Nicht vergessen sollte man auch Papiervlies bei „Paperpiecing“, Klebematerial, Entwurfmaterial oder zum Beispiel Kopien von Blöcken, die man anfertigen lässt. Ganz Exakte würden dann auch noch Kleinmaterial wie Nadeln, Strom u.s.w. einrechnen.
Arbeitszeit: Die beginnt bei Stoffeinkauf, Stoff vorwaschen und bügeln Das setzt sich fort mit Entwurf und Grundlagen zeichnen, zuschneiden, nähen, versäubern und immer wieder bügeln. Gefolgt von mit Vlies und Rückseitenstoff verbinden, Quiltmuster zeichnen und quilten. Und endet mit der Randeinfassung, dem Aufhängetunnel und dem Namensetikett.
Materialberechnung ist ja noch einfach, da gibt es Rechnungen die einem weiterhelfen. Aber wie ist das jetzt mit der Arbeitszeit, was verrechnet man für eine Stunde? 5 Euro, 10 Euro oder vielleicht doch 20 oder 30? Sind 5 Euro zuwenig und 30 zu viel? Oder sind alle diese Beträge zu tief gegriffen? Man muss nur mal sehen was so eine Mechanikerstunde kostet – und was ist schon die Reparatur eines Autos im Vergleich zur Herstellung eines Quilts?
Wenn man sich für einen Stundenpreis, der einem angemessen erscheint, entschieden hat bleibt nur noch die Frage ein Aufschlag von 20 bis 30% als, na sagen wir zum Beispiel Gewinnspanne. Für diese Gewinnspanne gibt es einige Begründungen:
1. Man macht das ganz allgemein so wenn man was verkaufen will.
2. Was ist, wenn ich den Quilt zum Weiterverkaufen in ein Geschäft gebe – auch Geschäfte wollen leben.
3. Den Quilt ins Intenet stellen oder sonst wo präsentieren, damit ihn möglichst viele Interessenten sehen können kostet ebenfalls Geld.
Das sind nur ein paar der Gründe, da gäbe es sicher noch einige andere……
Zu guter Letzt nicht zu vergessen: Wenn man des öfteren einen Quilt verkaufen sollte, möchte das Finanzamt gerne 20% Umsatzsteuer haben.
Und hier noch ein Punkt den man dabei nicht aus den Augen lassen sollte: Bei einem zu billig verkauften Quilt, besteht sehr leicht die Gefahr, dass der Käufer den Quilt und seinen Wert gar nicht so richtig zu schätzen weiß.
Ein Tipp um den Überblick über die wirkliche Arbeitszeit nicht zu verlieren wäre: Man sollte beim Quilt eine Liste haben, in die man jedes Mal, wenn man an dem Quilt arbeitet die Zeit einträgt.
Das muss nicht exakt auf die Sekunde sein – so auf eine Viertelstunde auf- oder abgerundet genügt voll auf.
Dazu der Tipp einer sehr erfahrenen Quilterin: Ein kleines Büchlein in das man mit Datum die Arbeitsstunden einträgt. Wenn man dann noch auf der Rückseite des Quilts eine kleine Tasche anbringt, kann man dieses Büchlein dort hineinstecken. Da kann dann jeder Interessierte nachlesen wie viel Zeit man gebraucht hat um denQuilt zu nähen.
Das Meiste davon gilt aber wahrscheinlich nur für jemanden der öfters einen Quilt verkaufen möchte.
Für Quilter, die das aber nur ausnahmsweise einmal machen möchten, kann man das ganze auf einen kurzen einfachen Nenner bringen. Den Materialpreis sollte man eigentlich immer verlangen aber sonst kommt’s sollte es ein wenig drauf ankommen, wem man den Quilt schenken will.
Für wirklich gute Freunde – denen man den Quilt auch sogar schenken würde – nur wenig bis gar nichts für die Arbeit verlangen.
Für jemanden den man kennt, der einem aber nicht so wichtig ist würde ich in etwa die Arbeitszeit berechnen und nicht allzu streng kalkulieren.Und für Fremde oder wenn’s gar etwas wie eine Firma oder ein Amt ist würde ich Material, Arbeitszeit und Aufschlag kalkulieren.Wenn jemand in ein Geschäft oder eine Galerie geht und das Bild eines Malers kauft muss er all diese Dinge ebenfalls bezahlen – und tut’s auch selbstverständlich.Nur aufpassen wenn jemand eine Rechnung will – dann will es auch das Finanzamt von einem wissen.
Sigrid Pöschl
{flodjishare}


